20. Juli 1944 – Erinnerung bewahren. Demokratie stärken.

19. Juli 2026

Der Arbeitskreis ehemals verfolgter Sozialdemokraten im SPD-Unterbezirk Amberg-Sulzbach-Neumarkt erinnert am 20. Juli an die sozialdemokratischen Frauen und Männer des Widerstands gegen die nationalsozialistische Diktatur. Ihr Mut, ihre Haltung und ihr Opfer mahnen uns, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde jeden Tag aufs Neue zu verteidigen. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte wieder unter Druck geraten, ist ihre Botschaft aktueller denn je. Demokratie ist nicht selbstverständlich – sie lebt von Menschen, die Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen.

Der 20. Juli 1944 steht als Symbol für den deutschen Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur. Das Attentat auf Adolf Hitler war der letzte große Versuch, die verbrecherische Herrschaft des NS-Regimes zu beenden. Sein Scheitern führte zu einer beispiellosen Verfolgungswelle.

JULI1944

Bis heute wird der Widerstand häufig auf wenige bekannte Namen wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Ludwig Beck, Friedrich Olbricht oder Werner von Haeften reduziert. Tatsächlich war der Widerstand wesentlich breiter. Mehr als 200 Frauen und Männer aus Militär, Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften und den von den Nationalsozialisten verbotenen demokratischen Parteien arbeiteten an den Plänen für ein Deutschland nach Hitler mit.

Zu ihnen gehörten zahlreiche Sozialdemokraten wie Paul Löbe, Wilhelm Leuschner, Carlo Mierendorff und Adolf Reichwein. Sie verband die Überzeugung, dass Freiheit und Demokratie den Einsatz des eigenen Lebens wert sind. Viele von ihnen wurden nach dem Scheitern des Attentats verhaftet und ermordet.

Das Vermächtnis von Paul Löbe ist bis heute Mahnung und Auftrag zugleich:
„Wenn es um die Freiheit geht, denkt man nicht an morgen.“

Löbe

Mit dem Scheitern des Attentats begann die sogenannte „Aktion Gewitter“ (auch „Aktion Gitter“). Ab dem 22. August 1944 ließ die Gestapo im gesamten Deutschen Reich mehrere tausend ehemalige Reichstags-, Landtags- und Kommunalabgeordnete der SPD und KPD sowie Gewerkschaftsfunktionäre verhaften – unabhängig davon, ob ihnen eine Beteiligung am Attentat nachgewiesen werden konnte. Ziel war es, jede demokratische Opposition endgültig zu zerschlagen.

Zu den Opfern dieser Verhaftungswelle gehörten unter anderem Paul Löbe, Kurt Schumacher und viele weitere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Viele überlebten die Haft in den Konzentrationslagern nicht.

Auch unsere Region blieb von der nationalsozialistischen Verfolgung nicht verschont. Christian Endemann, langjähriger SPD-Landtagsabgeordneter, Gewerkschaftssekretär und führender Sozialdemokrat in Amberg, wurde bereits 1933 mehrfach verfolgt und in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg inhaftiert. Im Rahmen der „Aktion Gewitter“ wurde er am 22. August 1944 erneut von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt. Nach der Befreiung berief ihn die amerikanische Militärregierung am 13. Mai 1945 zum ersten demokratischen Oberbürgermeister Ambergs nach dem Ende der NS-Diktatur. Unter seiner Verantwortung wurden die ersten freien Kommunalwahlen vorbereitet und der demokratische Neubeginn in der Stadt gestaltet. Christian Endemann steht beispielhaft für viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die erst verfolgt wurden und anschließend Verantwortung für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands übernahmen.

Endemann

„Erinnerung ist keine Last der Vergangenheit, sondern Verantwortung für die Zukunft. Wer den Mut der Widerstandskämpfer vergisst, gefährdet das Fundament unserer Demokratie. Gerade die Lebensgeschichten von Menschen wie Christian Endemann zeigen, dass Demokratie von Menschen lebt, die auch in dunkelsten Zeiten Haltung bewahren.“ – Dieter Weiß, Sprecher des Arbeitskreises ehemals verfolgter Sozialdemokraten im SPD-Unterbezirk Amberg-Sulzbach-Neumarkt.

Der Arbeitskreis ehemals verfolgter Sozialdemokraten versteht den 20. Juli deshalb nicht nur als Gedenktag, sondern als Auftrag. Die Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist kein Blick zurück, sondern eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft. Wer die Geschichte kennt, erkennt, wie wertvoll Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat sind – und warum sie jeden Tag aufs Neue verteidigt werden müssen.

AvS

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